Nikotin und Schadstoffe

In der Natur kommt Nikotin hauptsächlich in der Tabakpflanze vor, wo es in den Wurzeln gebildet und in den Blättern gelagert wird. Manche Tabakarten können den giftigen Stoff sogar gezielt als Fraßschutz erzeugen.

Die Kulturgeschichte des Nikotins ist viele tausend Jahre alt: angefangen vom Tabak in der Friedenspfeife zur Freundschaftsbekundung bis hin zur heutigen Zigarette aus dem Automaten an der Ecke zur Stressbewältigung. Sie begann bei den kultischen Handlungen der Indianer Nord- und Südamerikas und gipfelt heute in der ernormen Bedeutung des Genussmittels Tabak als ökonomischer Rohstoff, Steuereinnahmequelle und Verursacher enormen volkswirtschaftlichen Schadens.

Die Tabakpflanze gelangte nach der Entdeckung Amerikas durch die spanischen Eroberer ab dem frühen 16. Jahrhundert nach Europa, wo sie zunächst auf wenig Interesse stieß. Erst durch die Beschreibung als medizinisches Heilmittel durch den französischen Arzt Jean Nicot im Jahre 1570 breitete sich der Tabak aus. Nach ihm erhielt die Tabakpflanze ihren botanischen Namen "Tabacum nicotiana". Ihm zu Ehren wurde auch der darin zu etwa 5% enthaltene Stoff Nikotin benannt, der 1828 im Rahmen eines Wettbewerbs durch die beiden Heidelberger Studenten Ludwig Reimann und Wilhelm Heinrich Posselt entdeckt wurde.

Eine der ersten deutschsprachigen Erwähnungen der Tabakpflanze findet sich 1579 in einer Abhandlung zum Tabakanbau. Damals wurde der Tabak nur gekaut, geschnupft oder in Pfeifen geraucht. Im 17. Jahrhundert verbreitete sich der Konsum im Zuge des Dreißigjährigen Krieges in ganz Europa und drang schließlich bis nach Asien. Er wandelte sich zunehmend von der Verwendung als Arznei- hin zum Genussmittel. Allmählich wurden auch seine gesundheitsschädlichen Wirkungen entdeckt. Sowohl Anbau als auch Genuss von Tabak wurden in der Folgezeit in vielen Ländern wiederholt verboten, was jedoch keine tiefgreifenden Einflüsse auf die weitere Ausbreitung hatte. Vor der Revolution von 1848 war das Rauchen auf offener Straße auch in Deutschland verboten.

Durch die Massenanfertigung von Zigaretten Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Tabakkonsum vereinfacht und beschleunigt. Die erste Zigarettenmaschine wurde 1881 in den USA gebaut und konnte 200 Zigaretten pro Minute herstellen. Heutige Maschinen verbrauchen mehr als 6 Kilometer Papier pro Stunde, damit weltweit täglich 15 Milliarden Zigaretten geraucht werden können.

Nikotin - Die Wirkung

Mit jedem Zug an einer Zigarette belastest Du deinen Körper mit dem sehr starken Pflanzengift Nikotin, dass schon bei 0,5 bis 1 mg pro Kilogramm Körpergewicht tödlich wirken kann. Es wird beim Rauchen jedoch schnell in deinem Körper verteilt und abgebaut. Eine Nikotinvergiftung kann deshalb nicht auf einer langsamen Ansammlung des Wirkstoffes beruhen. Wenn jedoch beispielsweise ein Kleinkind eine Zigarette verschluckt, kann dies unter Umständen zum Tode des Kindes führen.

Bedeutender als die Giftigkeit des Nikotins ist seine Macht, dich abhängig zu machen. Nikotin ist der einzige Bestandteil der Zigarette, der ein starkes Suchtpotential besitzt. Denn es beeinflusst durch die Einwirkung auf das Zentralnervensystem psychische Prozesse. Und das geht so: Nikotin gelangt innerhalb von gerade mal sieben Sekunden über die Lunge und den Blutkreislauf in das Gehirn und löst dort eine Reihe von Reaktionen aus. Es kommt zur Ausschüttung verschiedener Botenstoffe, die für den Informationsaustausch zwischen den einzelnen Nervenzellen verantwortlich sind. Diese steigern die Konzentrations- sowie Leistungsfähigkeit und erzeugen Wohlgefühle. Nikotin beglückt den Raucher vergleichbar mit einer kleinen Zärtlichkeit oder einem guten Essen. Diese Art der Belohnung wird unbewusst direkt mit der Tätigkeit des Rauchens verbunden. Sie prägt sich durch die ständige Wiederholung tief in dein Gedächtnis ein.

Das Absinken des Nikotinspiegels verursacht schnell neuen Hunger. Als Raucher beträgt die Halbwertszeit der Nikotinwirkung nur eine halbe Stunde. Du passt die Nikotinmenge, die Du dir zuführst, deshalb automatisch einem optimalen Pegel an. Für viele Raucher ergibt sich dadurch ein Durchschnittskonsum von 20 Zigaretten pro Tag.

Nikotin macht zwar schnell psychisch süchtig, aber dafür nicht sehr stark körperlich abhängig. Nikotin regt das Herz-Kreislauf-System an, bewirkt Veränderungen im gesamten Nervensystem und sorgt für eine Abkühlung der Haut. Die körperliche Wirkung, die Du spürst, kann jedoch unterschiedlich ausfallen. Die erste Zigarette hat bei Ihnen vermutlich ein Schwindelgefühl, Übelkeit, Kopfschmerzen oder einen Hustenanfall bewirkt. Bist Du ein gewohnter Tabakkonsument, verspürst Du hingegen meist nur noch die psychischen Wirkungen wie gesteigerte Aufmerksamkeit und Stresstoleranz. Kleine Mengen Nikotin haben eine anregende Wirkung, zu große Mengen haben einen lähmenden Effekt.

Nikotin wirkt nicht nur innerlich auf Körper und Geist, sondern hat auch negative Auswirkungen auf dein Aussehen. Raucher haben oft eine aschfahle Hautfarbe, Ringe unter den Augen, gelbe Finger und Zähne. Rauchen beschleunigt außerdem die Entwicklung von Falten und verstärkt den Alterungsprozess der Haut.

Es gibt hinreichend Anhaltspunkte, dass Nikotin durch die Tabakindustrie noch wirksamer und gefährlicher gemacht wird. Dies geschieht indem den Zigaretten Zusatzmittel wie Ammoniak, Zucker und Kakao beigefügt werden. Ammoniak bewirkt eine beschleunigte Aufnahme des Nikotins in den Blutkreislauf. Zucker steigert beim Verbrennen ebenfalls erheblich die Wirkung. Und Kakao erweitert die Lungen, damit die Aufnahme des Nikotins ebenfalls gefördert wird. Auch an der Genforschung zeigt sich die Tabakindustrie interessiert. Mach Dir sich bewusst, dass Du mit jeder gekauften Schachtel Zigaretten deren Interesse, dich noch süchtiger zu machen, unterstützen. Willst Du wirklich jemanden dafür bezahlen, dass Du von ihm bewusst noch abhängiger gemacht wirst, damit Du dann wiederum noch mehr bezahlst?
Durchbrich diesen Teufelskreis!

Schadstoffe im Rauch

Die Angaben über Nikotin- und Kondensatgehalt auf deiner Zigarettenschachtel sind wenig aussagekräftig und verschweigen vieles. Denn eine Zigarette entwickelt beim Verbrennen etwa zwei Liter Rauch, der mehr als 3.000 feste und gasförmige Schadstoffe enthält. Diese lähmen die Entgiftungsmechanismen des Körpers und starten einen äußerst wirkungsvollen Angriff auf den Organismus.

Das giftige Gas Kohlenmonoxid, bekannt von Auspuffgasen, verschlechtert den Transport von Sauerstoff zu den Organen und ist verantwortlich für Herz- und Kreislaufschäden. Der zähflüssige braune Teer, beliebt als Straßenbelag, verursacht Bronchitis und Lungenkrebs. Verschiedene Stickoxide belasten ebenfalls die Atemwege und können als giftiges Nitrit ins Blut gelangen. Und das Pflanzengift Nikotin führt bekanntermaßen zur Sucht.

Weitere Schadstoffe sind beispielsweise Aceton (Lösungsmittel), Arsen (Rattengift), Ammoniak (Reinigungsmittel), Naphtalin (Mottengift), Blei und das krebserregende Formaldehyd. Insgesamt mehr als 40 krebserzeugende Stoffe sind im Zigarettenrauch nachgewiesen, darunter auch Nitrosamine, Vinylchlorid und Benzol.

Sogar radioaktive Stoffe wie Polonium 210 oder Radon sind im Rauch gefunden worden. Berechnungen ergaben, dass ein starker Raucher seine Bronchien pro Jahr mit der gleichen Strahlenmenge belastet, die bei 250 Röntgenaufnahmen der Lunge entstehen würde.

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