Passivrauchen

Die Mehrheit der Bevölkerung besteht aus Nichtrauchern. Trotzdem ist diese Mehrheit dem Rauch häufig ausgesetzt und raucht passiv mit. Passivrauchen beschreibt also eine Situation, in der ein Nichtraucher unfreiwillig dem Tabakrauch anderer Menschen ausgesetzt ist.

Der beim Verbrennen einer Zigarette entstehende Rauch wird zum größten Teil nicht vom Raucher selbst eingeatmet. Der Raucher atmet nur etwa ein Viertel des gesamten Rauches einer Zigarette ein und wieder aus. Dies ist der sogenannte Hauptstromrauch. Drei Viertel verglimmen in den Rauchpausen und werden als Nebenstromrauch von der Raumluft aufgenommen. Der Passivraucher ist folglich einer Mischung aus verdünntem Nebenstromrauch und ausgeatmetem Hauptstromrauch ausgesetzt.

Wenn man an einer Zigarette zieht, wird die Verbrennung verstärkt. Die Zigarette glüht dann stärker, die Temperatur erhöht sich und mehr Schadstoffe werden besser verbrannt. Durch die niedrigeren Temperaturen und die damit verbundene geringere Verbrennung von Schadstoffen am Rande einer nur glimmenden Zigarette, können in der Umgebungsluft sogar noch schädlichere Substanzen entstehen als im Hauptstromrauch. In ihr sind dann vor allem flüchtige Inhaltsstoffe in vielfach höherer Konzentration enthalten. Zigarettenrauch gilt als einer der gefährlichsten Luftverschmutzer in Innenräumen.

Passivrauchen ist vor allem aber auch ein soziales Problem. Raucher verqualmen die reine Atemluft und gefährden die Gesundheit der anwesenden Nichtraucher. Konflikte sind vorprogrammiert. Raucher sollten sich ihrer Mitverantwortung für andere bewusst werden und Rücksicht nehmen. Um dies zu erreichen sollten Raucher und Passivraucher Dialogbereitschaft zeigen, um eine beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden.

Gesundheitsrisiko

Passivrauchen hat Auswirkungen, die über eine unmittelbare Belästigung hinausgehen. Passivraucher werden durch die gleichen unmittelbaren und dauerhaften Gesundheitsschäden wie Raucher beeinträchtigt, wenn auch nicht so oft und in etwas geringerem Ausmaß. Das Gesundheitsrisiko darf aber nicht mit dem höheren Risiko des Aktivrauchers, sondern muss vielmehr mit dem eines "Nicht-Passivrauchers" verglichen werden.

Zum einen kann das Passivrauchen zur Beeinträchtigung des Wohlbefindens führen. Es kann die Schleimhäute reizen sowie Kopfschmerzen, Husten, Übelkeit und Schwindel verursachen und das Geschmacksempfinden negativ beeinflussen.

Zum anderen kann langfristiges Passivrauchen die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beschleunigen und Atemwegserkrankungen (z.B. Asthma und Bronchitis) verstärken oder sogar verursachen. Bei chronischen Passivrauchern ist auch die Entstehung von Lungenkrebs nicht auszuschließen. Schätzungen zufolge sterben jährlich in Deutschland etwa 400 Personen an Lungenkrebs, verursacht durch Passivrauchen. Eine Studie ergab, dass das Lungenkrebsrisiko der mit Rauchern zusammenlebenden Nichtraucherinnen um 30 bis 40 Prozent höher liegt als das der Frauen von Nichtrauchern.

Weitere Gesundheitsrisiken durch das ständige Einatmen verqualmter Raumluft sind die erhöhte Empfindlichkeit für Infektionen und Allergien. Auch Veränderungen im genetischen Material, in den Enzymen und folglich im gesamten Stoffwechsel können die Folge sein. Besonders schädlich ist Passivrauchen auch für die Atemwege von Kindern und Babys.

(Passiv-)Rauchen am Arbeitsplatz

Nach Schätzungen beträgt die Zahl der Passivraucher am Arbeitsplatz in der Bundesrepublik Deutschland mehr als drei Millionen. Ein Bericht der EU sagt sogar aus, dass im Zeitraum von 1990 bis 1993 in der EU 7,5 Millionen Arbeitgeber zu 75 Prozent der Arbeitszeit dem Passivrauchen ausgesetzt waren. Entsprechend hoch ist auch das Konfliktpotenzial durch Rauchen am Arbeitsplatz, denn mehr als ein Drittel der Nichtraucher fühlt sich durch das Rauchen gestört.

Im Herbst 2002 ist die geänderte Arbeitsstättenverordnung zum Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz in Kraft getreten. Der Arbeitgeber ist seitdem verpflichtet, erforderliche Maßnahmen zu treffen, damit die nichtrauchenden Arbeitnehmer wirkungsvoll vor den Gesundheitsrisiken durch Tabakrauch geschützt sind. Jeder Beschäftigte hat jetzt ein einklagbares Recht auf geeignete Regelungen zum Nichtraucherschutz, der jetzt in der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers liegt. Ausnahme bleibt beispielsweise die Gastronomie, deren Angestellten ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko haben, an Lungenkrebs zu erkranken. Aber auch für andere Berufe gilt: wer zehn bis fünfzehn Jahre lang in Räumen mit hoher Tabakrauchbelastung arbeitetet, hat ein fast doppelt so hohes Lungenkrebsrisiko.

Darum ist eine Trennung von Rauchern und Nichtrauchern, eine wirksame Belüftung oder die Schaffung von Raucherzonen zu empfehlen. Nur mit Verboten kann man dem Rauchkonflikt am Arbeitsplatz nicht begegnen. Neben rein technischen Lösungen ist es oft hilfreich einen Informationsworkshop anzubieten. Der Gesetzgeber befürwortet darüber hinaus, auch Raucherberatungen und Entwöhnungskurse in die betriebliche Gesundheitsförderung aufzunehmen. Grundlegend gilt es die unterschiedlichen Auffassungen von Rauchern und Nichtrauchern ohne Diskriminierungen zu thematisieren. Nur gemeinsame Maßnahmen zum Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz führen zu einem besseren Arbeitsklima, dass sich im wahrsten Sinne sogar auszahlt.

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